Männergesundheit im Fokus: Vorsorge kann Leben retten
Über das, was Männer sein wollen, sind oder auch nicht – darüber singt uns ein bekannter Bochumer schon seit Jahrzehnten ein nicht minder bekanntes Lied. Als es damals, in den Achtzigern, entstand, galt – weit stärker noch als heute – das herkömmliche Rollenbild: Mann hatte stark zu sein, war erfolgreich im Beruf und ernährte die Familie. So sollte und wollte er gesehen werden – ein echter Kerl halt. Mit der Zeit hat sich ein gewisser Wandel vollzogen, doch bis heute hält sich das überkommene Selbstbild teils hartnäckig. Und das hat Auswirkungen – auch auf die männliche Gesundheit.
Die Lebenserwartung von Männern in Deutschland liegt rund fünf Jahre unter der von Frauen. Zwar hat dies auch genetische Gründe – aber nicht nur. So sind Männer, statistisch gesehen, häufiger als Frauen von Arbeitsunfällen betroffen und begehen auch häufiger Suizid. Auch Tabakkonsum und eine ungesunde Ernährung finden sich eher bei Männern als bei Frauen. Diese wiederum liegen beim Thema Vorsorge vorn: Rund die Hälfte aller Frauen nimmt entsprechende Arzttermine wahr, dagegen nur jeder fünfte Mann.
Die Gründe für dieses Missverhältnis sind vielfältig. Zeitmangel gilt als einer, allerdings als kein besonders guter. Bedenkt man, wie viele Stunden manch stolzer Autobesitzer in der heimischen Garage zubringt, um sein rollendes Zuhause zu hegen und zu pflegen, stellt sich die Frage nach der Prioritätensetzung. Sollten sich Männer nicht auch um ihr eigenes Wohlergehen kümmern? Zeit für einen Vorsorgetermin, so viel ist gewiss, würde sich schon finden – man müsste halt nur danach suchen.
Doch das geschieht noch immer viel zu selten. Und langsam aber sicher kommen wir dem wahren Grund dafür näher, der Frage nämlich, was denn werden würde, wenn der Arzt tatsächlich etwas fände. Ja, was wäre denn dann? Nun, das ist – je nach Diagnose – von Fall zu Fall natürlich sehr verschieden, aber Wahrscheinlichkeitsrechnung hilft ein wenig weiter: Je früher eine Erkrankung entdeckt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten und umso größer ist die Chance auf Genesung. Eigentlich eine Binsenweisheit. Dennoch überwiegt beim Mann oftmals Angst – die Angst vor eigener Schwäche, vor Einschränkungen im Alltag, vor Schmerzen und auch vor dem Tod. Letzterer wird sich nicht vermeiden lassen. Aber: Vorsorge kann dazu beitragen, dass "ihm" das Stündlein eher später als früher schlägt und "er" sein Auto noch lange putzen und polieren kann.
Doch kommt zur Angst oft noch die Scham. Diese ist nicht selten im Spiel, wenn es um Sexualität und die Geschlechtsorgane geht. Sie spielt somit besonders auch beim Gang zum Urologen eine Rolle. „Ehrlich gesagt, gehen Männer nicht gerne zum Urologen oder zum Arzt überhaupt. Bei Frauen ist das anders. Viele von ihnen sind schon seit der Pubertät bei einer Gynäkologin und holen sich eher ärztlichen Rat. Männer gehen leider nur dann zum Arzt, wenn sie Probleme haben. Wir können das leider nicht beeinflussen.“ Diese Einschätzung vertritt Dr. Osama Asaad. Der 55-Jährige Mediziner lebt und arbeitet seit 2010 in Deutschland. Als Facharzt für Urologie hat er in Sachen „Männergesundheit“ langjährige Erfahrung: „Ich halte dieses Thema für sehr wichtig. Denn es betrifft nicht nur den Mann, sondern auch die Partnerin. Ist der Mann gesund, hilft das auch der Beziehung“.
Seit 2023 ist Dr. Asaad Chefarzt der Abteilung Urologie der HESCURO KLINIK Bad Bocklet. Zuvor war er auch an verschiedenen weiteren Kliniken als Urologe tätig. Eines der Themen, die in seinem Mediziner-Alltag bei Patienten immer wieder auftauchen, sind Probleme beim Wasserlassen. Oftmals steckt dahinter eine Prostatavergrößerung, weiß Dr. Asaad, der in der HESCURO KLINIK Bad Kissingen eine Privatpraxis für Urologie führt. Bei der Behandlung, sagt er, würden mehrere Verfahren kombiniert: „Die Therapie erfolgt multimodal mittels Beckenbodentherapie, Elektrostimulation und durch die Einnahme von Medikamenten.“ Manchmal reicht dies allerdings nicht aus. Insbesondere bei einer bösartigen Prostatavergrößerung führt an einer Operation unter Vollnarkose kein Weg vorbei.
Womit wir wieder beim Thema Vorsorge wären und bei der Frage: Darf man zum Urologen gehen, ohne dass man überhaupt Beschwerden hat? Für Dr. Asaad ist die Antwort eindeutig. Er rät Männern ab einem Alter von 45 Jahren dazu, jährlich einen Vorsorgetermin wahrzunehmen – egal ob sie ein Problem verspüren oder nicht: „Wir reden hier schließlich über die mögliche Früherkennung einer Krebserkrankung.“ Mehr als eine halbe Stunde Zeit, so der Fachmann, müsse man dafür nicht investieren: „Die Kontrolle erfolgt leitliniengerecht einmal pro Jahr. Wir führen eine Ultraschalluntersuchung durch, kontrollieren das Blutbild, Allgemeinblutbild und Kleinblutbild, und schauen uns den Urinstatus an. Im Mittelpunkt steht aber immer die Ermittlung des PSA-Wertes.“
PSA, erläutert Dr. Asaad, steht für prostata-spezifisches Antigen: „Mit diesem Tumormarker kann man herausfinden, ob der Patient eine gutartige Prostatavergrößerung hat oder eine bösartige. Es ist wichtig, ihn immer kontrollieren zu lassen – egal ob jemand schon Beschwerden hat oder ob dies bisher nicht der Fall ist.“ Weder für Kassen- noch für Privatpatienten ist die Kontrolle des Tumormarkers kostenlos zu haben. Rund 40 Euro sind für die Kontrolle zu bezahlen. Doch das sollte einem Mann die Gesundheit wert sein, schließlich ist der Preis nicht höher als zwei Mal Vollprogramm in der Autowaschanlage.

